Sally-Perel-Gesamtschule feiert ihre Umbenennung

Am Freitag, den 14.09.2018 ab 14 Uhr feiert die Sally-Perel-Gesamtschule ihre Umbenennung. Die zuständigen Gremien Gesamtkonferenz und Schulvorstand der damaligen IGS Volkmarode haben im Dezember 2017 nach mehrmonatiger schulinterner Diskussion beschlossen, der Stadt Braunschweig die Umbenennung vorzuschlagen. Der Schulausschuss und der Verwaltungsausschuss der Stadt Braunschweig haben im April 2018 beschlossen, dass die IGS Volkmarode ab dem Schuljahr 2018/19 den Namen Sally-Perel-Gesamtschule trägt.

Sally Perel (* 21. April 1925 in Peine) wurde mit seiner Familie 1935 von den Nationalsozialisten aus Peine vertrieben und zog nach Łódź in Polen. Nach dem Überfall auf Polen durch Deutschland im Jahre 1939 und der darauffolgenden Aufteilung Polens zwischen Deutschland und der Sowjetunion floh Sally Perel in den sowjetischen Teil Polens. Während des Krieges gegen die Sowjetunion wurde Perel von der Wehrmacht gefangen genommen. Da er perfekt deutsch sprach, konnte er sich als „Volksdeutscher“ ausgeben und seine jüdische Herkunft verschleiern. Er fungierte in der Folge als deutsch-russischer Übersetzer für die Wehrmacht. Er nannte sich Josef Perjell, sein Spitzname war Jupp.

1943 kam er nach Braunschweig, um im damaligen Volkswagen-Vorwerk eine Lehre als Werkzeugmacher zu absolvieren. Hier wurden speziell ausgesuchte Jugendliche zu Facharbeitern ausgebildet, die später im Stammwerk bei Fallersleben arbeiten sollten. Aufgrund der ständigen Präsenz des Nationalsozialismus begann er nach eigenen Angaben, sich mit dieser Ideologie zu identifizieren (später beschrieb er die Diktatur als Gift, das jeden Tag in die jungen Gehirne geträufelt worden sei). Perel musste ständig seine Beschneidung verbergen und stets einen kühlen Kopf bewahren, um die Gefahr einer Entdeckung zu vermeiden. Am Ende des Krieges wurde er von der US-amerikanischen Armee gefangen genommen und kurze Zeit später wieder aus der Gefangenschaft entlassen.

Außer seinen Brüdern Isaak und David und Sally selbst überlebte kein Mitglied der Familie Perel den Holocaust. Sally Perel emigrierte nach Israel. Er brauchte 40 Jahre, um das Erlebte zu verarbeiten, bevor er sich schließlich nach einer Herzoperation 1985 entschloss, ein Buch mit seiner Geschichte zu schreiben. Perel schrieb das Buch in deutscher Sprache. Er gab an, dass dadurch der (verborgene Hitlerjunge) Jupp „aus ihm heraus wollte“. Das Buch erschien 1990 als Europa, Europa auf Französisch, 1991 auf Hebräisch und 1992 unter dem Titel Ich war Hitlerjunge Salomon auf Deutsch. Das Buch wurde von Agnieszka Holland 1990 unter dem Titel Hitlerjunge Salomon (englischer Titel: Europa, Europa) verfilmt.

Sally Perel verkörpert in einzigartiger Weise eine Persönlichkeit, die sich mit großem Engagement für Respekt und Toleranz einsetzt. Als „Hitlerjunge Salomon“ hat er selbst erfahren, wie rassistisches Gedankengut zu inhumanem Denken und Verhalten führt. Es ist sein Anliegen, diese Erfahrungen weiterzugeben – insbesondere an junge Menschen – und auf die Gefahren heute aufmerksam zu machen.

Sally Perel verbindet eine besondere Beziehung zu Braunschweig. Die Zeit seiner Lehre als Werkzeugmacher im Vorwerk Braunschweig war für ihn in mehrfacher Hinsicht prägend. Bis heute ist er immer wieder in Braunschweig im Zusammenhang mit seinen Lesereisen, aber auch im Zusammenhang mit dem nach ihm benannten Preis und weiteren Anlässen (z. B. Gemeinsam-Preis der Braunschweiger Zeitung 2017). Er freut sich sehr, dass es jetzt einen Ort in Braunschweig gibt, der sich durch die Benennung nach ihm verpflichtet, sein Engagement für die ihm wichtigen Werte Respekt und Toleranz fortzusetzen.

Die Schule hat seit längerer Zeit eine enge Verbindung zu Sally Perel und den Ideen, für die er steht:

  • Die Schule ist seit 2014 als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ anerkannt. Dieses ist damals von der Schülervertretung angeregt worden, die jetzt auch den Antrag auf Schulumbenennung in die Schulgremien eingebracht hat.
  • Bereits zwei Schülergruppen der Schule sind mit dem von VW Braunschweig ausgeschriebenen Sally-Perel-Preis ausgezeichnet worden (2014 und 2016).
  • Insbesondere seit der Einrichtung von Sprachlernklassen an der Schule beschäftigt sich die Schule immer wieder mit den Themen Flucht und Vertreibung und setzt sich kritisch mit Populismus auseinander.
  • Die Schule führt seit mehreren Jahren Studienfahrten mit Schülerinnen und Schülern der 10. und 11. Klassen nach Polen durch, bei denen u. a. die Gedenkstätte Auschwitz besucht wird.

Sally Perel reist mit mehreren Mitgliedern seiner Familie zum Festakt am 14. September an. Neben ihm und seiner Nichte Neomi Brakin sprechen Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Braunschweig, des Landes Niedersachsen, des Betriebsrates von VW Braunschweig und der Schule. Außerdem gibt es verschiedene Musik- und Theaterpräsentationen. Am Schluss der Veranstaltung wird ein Wetterballon mit einer Botschaft für Respekt und Toleranz in die Stratosphäre steigen gelassen.

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